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WENN DER VATER MIT DEM SOHNE
zu Besuch bei HAGINA COSMETIC
"Seit 25 Jahren werden bei Hagina nur Kosmetikprodukte aus Rohstoffen hergestellt, die nicht in Tierversuchen getestet worden sind oder von toten Tieren stammen", stellt mir Thomas Epping die Firmenphilosophie vor. "Dieser Weg ist voller Herausforderungen und nicht immer einfach. Also muss man sich ganz klar entscheiden, ob man ihn gehen will oder nicht." Der Juniorchef von Hagina Cosmetic ist Produktmanager, Vertriebschef, Herstellungsleiter und Kundenbetreuer in einer Person. Und er weiß nur zu gut, welche Schwierigkeiten man meistern muss, wenn man in seiner Branche dem Tierschutz oberste Priorität einräumt. |
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"Das größte Problem bei der Herstellung von Naturkosmetik besteht in der Haltbarkeit", erklärt er mir. "Was nützt einer Kosmetikerin eine naturreine Creme, die sie im Kühlschrank aufbewahren muss und die trotzdem nur sieben Tage hält. Die gängigen chemischen Konservierungsstoffe aber sind an Tieren getestet worden und kommen für uns nicht in Frage. Also bleiben uns nur altbewährte Rohstoffe, die der Deutsche Tierschutzbund freigegeben hat – oder die Suche nach Alternativen. Wir mussten uns also ein ganz besonderes Know-how erwerben. Heute sind wir in der Lage, unsere neuen Produkte ohne chemische Konservierungsstoffe 2 1/2 Jahre haltbar zu machen."
Und wie geht das?" will ich natürlich sofort wissen. Aber Thomas Epping zögert kurz: |
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"Es hat mit dem Wasser in den Produkten zu tun, denn nur in Wasser vermehren sich Keime oder Schimmel. Wir behandeln das Wasser so, dasses keine Angriffsfläche mehr für Keime bietet. Der Rest ist Betriebsgeheimnis."
Alle andere Arbeiten bei Hagina Cosmetic sind dagegen kein Geheimnis. Seniorchef Wolfgang Epping stößt zu uns, und Vater und Sohn führen mich durch eine Schleuse in den Reinraum, wo sechs Frauen in weißen Kitteln und mit grünen Hygienehauben Öle und Lotionen sorgfältig per Hand abfüllen. Nebenan werden die zahllosen Flaschen und Tiegel verpackt. Im Untergeschoß sind die Lagerkeller, wo blaue Plastikfässer, weiße Plastik-Boxen und Aluminiumflaschen mit den zu verarbeitenden Rohstoffen stehen. Und schon eilt der Seniorchef davon, um die Probleme um eine verspätete Lieferung Mandelöl zu lösen. |
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Hagina Cosmetic hat viel Entwicklung hinter sich. Gegründet wurde die Firma vor 25 Jahren von einem Münchner Ehepaar, das anfangs nur zwei Kräuteröle herstellte. Als das Ehepaar sich daran machte, eine erste Kosmetikserie zu entwickeln, lautete schon damals ihr Motto ‚ohne Tierversuche‘. Um den Vertrieb gleich richtig zu organisieren, suchte das Ehepaar nach einem Profi und fand ihn in Wolfgang Epping. Der stammte aus einer alteingesessenen Drogistenfamilie in der Nähe von Köln, war Vertriebsleiter der großen Kosmetikfirma Marbert gewesen und hatte für das Label MCM ein eigene Duftlinie entwickelt.
Nach drei Jahren bei Hagina übernahm Wolfgang Epping die Firma als Nachfolger des Ehepaares, verlegte den Sitz ins oberbayerische Penzberg und baute konsequent die Produktpalette aus – ohne dabei jemals die ursprüngliche Verpflichtung ‚ohne Tierversuche‘ zu vergessen. |
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Darum dürfen die Produkte das vom Tierschutzbund vergebene Zeichen tragen: eine schützende Hand über einem Hasen. Die entscheidenden Impulse, für Hagina eine eigene Parfum-Linie zu schaffen, kamen dann aber bereits vom Junior Thomas Epping, der immer von der Arbeit des Vaters fasziniert war und nach einem BWL-Studium in die Firma eingetreten ist.
Voll Feuer erzählt er mir von dem spannenden Prozess, wie aus einer Idee ein neues Produkt wird. Hagina arbeitet dafür eng mit einem freien Apotheker zusammen, der sich auf die Herstellung von Naturkosmetika spezialisiert hat. Der bekommt von den beiden Eppings eine Vorgabe, welche Anforderungen etwa eine neue Creme erfüllen soll und welche Rohstoffe verwendet werden sollen.
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Daraus entwickelt der Apotheker dann eine Rezeptur und fertigt eine erste Mischung, die man ‚Musteransatz‘ nennt. Daran kann man prüfen, wie die Creme aussieht, wie sie riecht, wie sie sich auf der Haut anfühlt. Entspricht sie den Vorstellungen der Eppings, wird die Mischung extremen Tests unterzogen, wird stark erhitzt, eisgekühlt, mit Keimen versetzt. Und erst wenn sie alle Tests bestanden hat, wird sie zur Produktion freigegeben.
"Lange Zeit haben wir die von uns entwickelten Produkte von fremden Firmen herstellen lassen, aber dann erkannten wir, dass die von uns gewünschte Qualität so nicht preiswert produziert werden konnte. Darum haben wir uns vor acht Jahren entschlossen, unsere Produkte auch selber herzustellen", fährt Thomas Epping fort. Was zur Folge hatte, dass sich der alte Firmensitz in Penzberg als viel zu klein dafür erwies. |
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Es musste ein Neubau geschaffen werden, ein paar Kilometer vor der Stadt in dem idyllisch gelegenen Iffeldorf. Das Herzstück des neuen Hagina-Gebäudes ist ein Raum, in dem eine mannshohe Maschine aus schimmerndem Stahl steht. Eine Maschine so teuer wie ein Einfamilienhaus. Ein Vakuumkessel mit Rührwerk, in den über Trichter, Rohre und Leitungen flüssige oder pulverförmige, gekühlte oder erhitzte Rohstoffe zusammenfließen und vermischt werden können. 150 kg einer Lotion oder Creme produziert diese Maschine in einer Füllung, bis zu 900 kg an einem Tag, etwa 200.000 kg im Jahr - ein Teil davon mittlerweile auch für andere Firmen, die die HAGINA-Qualität zu schätzen gelernt haben.
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Als ich ganz arglos frage, aus wieviel Bestandteilen denn eigentlich eine gute Gesichtscreme besteht, antwortet Thomas Epping: "Bei der Qualität einer Creme kommt es nicht auf die Menge der Bestandteile an, sondern auf die Konzentration der Wirkstoffe. Man darf zum Beispiel ein Produkt ‚Vitamin E Tagescreme‘ nennen, auch wenn nur 0,5% Vitamin E darin enthalten sind. Aber bei 0,5% hat man praktisch keinerlei Wirkung. Für mich ist das Täuschung der Kunden. |
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Die Vitamin E Tagescreme von Hagina enthält 4% reines Vitamin E und wirkt darum tatsächlich zellerneuernd und gegen Falten. Auch unsere neue Q10-Serie enthält die vom Gesetzgeber erlaubte Höchstmenge – obwohl das Enzym Q10 extrem teuer ist, der teuerste Rohstoff, den wir verarbeiten."
Als ich mich verabschiede, finde ich meine erste Einschätzung bestätigt: Wolfgang und Thomas Epping denken tatsächlich groß, hell und klar. Ich verlasse das Firmengebäude, und sehe einen Schwarm Wildgänse in einer langen Keilformation am Himmel. Plötzlich wirbeln die Vögel durcheinander, schwenken herüber, formieren sich über dem Gebäude von Hagina neu und setzen erst dann ihren Zug nach Süden fort. |
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Quelle: MORAVAN Inspiration, Dezember 2002, Seite 4 ff |
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